Auf einen Blick (Kurzfassung):

Die vorangegangenen Artikel behandeln die Hebel einzeln: Caching (1), Limits (2), Fensterstrategie (3), Kontext (4), Modelle (5), Messwerte (6). Dieser Artikel setzt sie zu einem Arbeitsablauf zusammen und beantwortet drei Fragen, die dabei regelmäßig auftauchen.

Was ein Effort-Wechsel mitten in der Session tut

Effort ist ein Request-Parameter, kein Prompt-Inhalt. Er wirkt ab dem nächsten Turn und nicht rückwirkend:

Der Haken ist der Cache, nicht der Kontext. In Claude Code ist der Prompt-Cache auch nach Effort-Level geschlüsselt (Artikel 1) — Claude Code fragt vor dem Anwenden deshalb nach. Der erste Request nach dem Umschalten liest die gesamte bisherige Historie ohne Cache-Treffer. Bei 60k Kontext ist das ein spürbarer Einzelposten, der die Ersparnis der folgenden Low-Effort-Turns erst einmal auffrisst.

Daraus folgt: „hoch planen, niedrig ausführen" ist als Idee richtig, als Mitten-in-der-Session-Umschaltung aber teuer. Die billigeren Varianten:

VarianteWann
Umschalten direkt nach /clearDer Regelfall. Der Cache ist beim Neustart ohnehin kalt — der Wechsel kostet dann nichts extra. Plan liegt auf Platte (siehe unten).
Zwei parallele SessionsPlanungs-Session bleibt auf hohem Effort offen, Ausführungs-Session läuft niedrig. Jede behält ihren eigenen warmen Cache. Auch der Rat aus Artikel 3 für Modellwechsel.
Ausführung an SubagentsDer Hauptthread bleibt auf einem Level; die mechanische Arbeit läuft in eigenem Kontext mit eigenem Modell.
Gar nicht umschaltenBei kurzen Sessions unter etwa 20k Kontext ist der Invalidierungspreis klein genug, dass die Frage sich nicht lohnt.

Effort senken oder an ein kleineres Modell delegieren?

Beide Hebel senken den Verbrauch, aber an verschiedenen Stellen — und das entscheidet, welcher im konkreten Fall mehr fürs Kontingent bringt.

HebelWas sinktWas bleibt
Effort senkenOutput-Tokens: kürzere Thinking-Ketten, weniger Tool-Calls. Thinking wird zum Output-Tarif abgerechnet (Artikel 1).Der Input. Der gesamte Verlauf plus System-Prompt läuft in jedem Turn weiter durch das große Modell.
An kleineres Modell delegierenInput und Output laufen zum günstigeren Tarif — und der Subagent-Kontext beginnt leer, statt den Hauptverlauf mitzuschleppen.Nur die Zusammenfassung kommt zurück (im Beispiel aus Artikel 4: 420 Tokens für drei gelesene Dateien).

In langen Sessions dominiert der Input. 30k Kontext mal jeder Turn schlägt schnell die paar tausend Thinking-Tokens, die eine Stufe weniger Effort einspart. Genau deshalb ist Delegation bei abgeschlossenen Brocken der stärkere Hebel — wenn der Subagent den Hauptkontext nicht braucht.

SituationBesserer Hebel
Kleiner Edit, braucht den GesprächskontextEffort senken, im Hauptthread bleiben. Delegation kostet hier mehr, weil der Subagent den Kontext erst neu aufbauen muss.
Abgeschlossener Brocken: Datei umschreiben, Tests durchziehen, RechercheSubagent mit Sonnet oder Haiku. Der Opus-Kontext läuft gar nicht erst mit.
Session ist lang und der Verlauf für die nächste Aufgabe irrelevantWeder noch — /clear. Das kappt den Input-Anteil pro Turn direkt und kostet selbst nichts.

Zwei Korrekturen aus der eigenen Messung (Artikel 6), die dem Reflex widersprechen: Haiku 4.5 war dort das langsamste Modell pro Aufgabe, weil es mit Abstand am meisten schreibt — der Geschwindigkeitsvorteil kleiner Modelle gilt pro Token, nicht pro Aufgabe. Und bei Haiku 4.5 war high günstiger als low. „Kleineres Modell, niedrigerer Effort" ist also keine Formel, die man blind anwenden kann.

Delegation nicht überdrehen. Opus 5 greift von sich aus bereitwillig zu Subagents (Artikel 5), und unkontrollierte Parallelität ist der schnellste Weg, ein Kontingent zu verbrennen (Artikel 2). Delegiere gezielt an benannte Aufgaben, statt „delegiere mehr" in den Prompt zu schreiben.

Nach /clear weitermachen, wo man aufgehört hat

Der Kontext geht weg, die Dateien bleiben. Der Zustand muss also vor dem Clear auf Platte — sonst wird aus der Etappengrenze ein Neuanfang.

Das Handover-File

Eine Datei reicht. Sie wird vor dem Clear geschrieben und im ersten Turn danach gelesen:

# PLAN.md

## Ziel
<ein Satz — was am Ende stehen soll>

## Steps
- [x] 1. Schema in db/models.py erweitert
- [ ] 2. Migration schreiben   <- HIER WEITER
- [ ] 3. API-Endpoint anpassen

## Entscheidungen
- Alembic statt handgeschriebener SQL (wegen Rollback)
- Feld heisst `archived_at`, nicht `is_archived`

## Verworfen
- Soft-Delete ueber einen Trigger: bricht die bestehenden Fixtures

## Offen
- Timezone-Handling bei archived_at noch ungeklaert

Ablauf: Plan schreiben lassen → /clearlies PLAN.md und mach bei Step 2 weiter. Der erste Turn nach dem Clear kostet damit rund zwei- bis dreitausend Tokens statt der vollen Historie.

Der wichtigste Abschnitt ist „Verworfen". Die Schrittliste reproduziert sich leicht; was beim Clear tatsächlich verloren geht, ist das Wissen „Ansatz X haben wir aus Grund Y verworfen". Ohne diesen Abschnitt läuft der frische Kontext mit hoher Wahrscheinlichkeit genau dort wieder hinein — und du zahlst die Sackgasse zweimal.

Timing: früh schreiben, nicht am Limit

Das Handover entsteht am Ende einer Etappe, bevor der Kontext voll ist — nicht erst, wenn die Auto-Compaction anklopft. Eine Zusammenfassung, die aus einem bereits überfüllten Kontext gezogen wird, lässt genau die Details weg, die man später braucht: Sie sind zu dem Zeitpunkt schon aus dem Blick.

Drei Ergänzungen je nach Setup

MittelWofür
Ein Commit pro StepDer Diff ist der Zustand. git log --oneline nach dem Clear ersetzt die halbe Dokumentation und ist immer aktuell.
Dauerhaftes Gedächtnis (Vault, Wiki, ADR-Ordner)Für alles, was über die Session hinaus gilt: Architekturentscheidungen, Konventionen. PLAN.md ist Wegwerf-Zustand, das Gedächtnis ist dauerhaft — die beiden nicht vermischen.
/compact <Fokus> statt /clearWenn der rote Faden erhalten bleiben soll und kein Handover-File lohnt. Kürzt die Historie, ist aber selbst ein teurer Request (Artikel 3) und spart weniger als ein Clear.

Verwandt, aber nicht dasselbe: das Spec-Muster aus Artikel 3 trennt Planung und Implementierung in zwei Sessions. Das Handover-File hier trennt beliebige aufeinanderfolgende Etappen — auch mehrere Implementierungsschritte hintereinander. Beide schreiben denselben Zustand auf Platte; das Spec-File ist der Sonderfall für die erste Grenze.

Der Ablauf am Stück

PhaseEinstellungAktion
PlanenHoher Effort, großes Modell, Plan ModeAufgabe erkunden, Ansatz festlegen, PLAN.md mit Steps, Entscheidungen und Verworfenem schreiben lassen
Schnitt/rename, dann /clear. Erst danach /effort senken — der Cache ist ohnehin kalt
AusführenNiedriger Effortlies PLAN.md und mach bei Step N weiter. Abgeschlossene Brocken an Subagents
EtappenendeCommit, PLAN.md abhaken und ergänzen, wieder /clear
Bei BlockadeEffort hochNach dem Clear, nicht mitten in der Session. Übersprungene Analyse holt das Modell nicht von selbst nach

Checkliste

  1. Effort- und Modellwechsel an eine /clear-Grenze legen, nicht mitten in die Session
  2. Alternativ zwei parallele Sessions führen — je eine mit eigenem warmem Cache
  3. Bei langem Kontext delegieren statt Effort senken; bei kurzem, kontextabhängigem Edit umgekehrt
  4. Vor jedem /clear: Steps, Entscheidungen und Sackgassen in eine Datei
  5. Handover früh schreiben, nicht wenn der Kontext schon voll ist
  6. Ein Commit pro Step — der Diff dokumentiert sich selbst
  7. Nach dem Hochstufen des Efforts explizit ein Re-Check der Low-Effort-Phase verlangen
  8. /usage statt Schätzung: die Aufschlüsselung nennt die Ursache selbst